1913 beklagte Dr. Fried­rich König im ersten erschienen Heft der 'Blätter für Naturkunde und Naturschutz in Niederösterreich', dass, wenn er sich seiner Jugendzeit erinnert, das Vorhandene 'gerade noch im Bestand erkennbar ist, wo früher Massen verschiedenster Pflanzenarten vorhan­den waren, Sammler die Spezialitäten und die Menschenmenge des Sonntags auch die in Mengen vorhandenen, bunteren Mitglieder der heimischen Naturgesellschaft ausrotteten'. Im gleichen Artikel wird auch schon die Forde­rung nach Schaffung von 'Reservaten' gestellt, die bedrohten Tieren, Pflanzen und Land­schaftsteilen nachhaltigen Schutz und Erhal­tung gewährleisten sollten. Er vertrat bereits damals die Ansicht, dass dafür aber auch eine 'besondere Bewachung und Kontrolle' not­wendig wäre und empfahl ein 'pfadfinderähn­liches Naturschutzkorps zu organisieren'.

 

 Dr. A. Ginzberger führt in seinem, im Heft 2 der erwähnten Publikation erschienen Artikel aus: 'Einen wirk­lichen Wert hat aller Naturschutz nur dann, wenn er auf unbegrenzte Zeit garantiert ist' und stellt eindeutig die Forderung nach einem Naturschutzgesetz, denn 'niemand dürfte mehr bestimmte darin aufzuzählende Eingrif­fe in die Natur vornehmen, ohne die Natur­schutzbehörde davon vorher in Kenntnis zu setzen und ihr Gelegenheit zum Einspruch zu geben. Allen Behörden müsste der Grundgedan­ke des Naturschutzes selbstverständlich wer­den, sodass sie bei allen ihren Verfügungen an die Natur als an etwas denken, das ebenso zu berücksichtigen ist, wie die Interessen der Menschen'.

Ein Niederösterreichisches Naturschutzgesetz ist allerdings erst 1924 (LGBI. 130 vom 18.9.1924) erlassen worden. Das erste Natur­schutzgebiet Österreichs, die 'Weikendorfer Remise' (im Volksmund auch 'Siebenbrunner Heide' genannt) wurde mit Landtagsbeschluss vom 8.6.1927 begründet.  Der Gedanke, Natur nicht nur auf dem Pa­pier, sondern auch aktiv zu beschützen gedieh.