Naturzerstörung, vor allem die Beeinträchti­gung von Fauna und Flora, ist nicht, wie man meist glaubt, eine Sache der letzten paar Jahrzehnte. Der Naturschutzgedanke regte sich bereits 1870, als sich der pensionierte Oberstleutnant Joseph Schöffel, in einer heute direkt modern klingenden Umweltschutzkampagne, gegen den Reichstagsbeschluß wendete, mit dem 5.000 Joch des Wienerwaldes zur Abholzung freigegeben werden sollten. 'Die so genannten Wohlfahrtswälder haben Einfluß auf Temperatur, Regen- und Feuchtigkeitsverhältnisse; sie sind ein wichtiger Faktor für das Klima und die Fruchtbarkeit. Ein solcher Wohlfahrtswald ist jedenfalls der Wienerwald. Wer entgegen den Erfahrungen, entgegen den Lehren und Kundgebungen unserer vorzüglichsten Naturforscher, den Einfluß auf das Klima und die Fruchtbarkeit des Landes zu leugnen wagt, der muß unfehlbar oder dumm sein', schrieb er in einem offenen Brief an den Landtagsabgeordneten und damaligen Finanzminister Rudolf Brest. Auf Grund des entstan-denen öffentlichen Interesses, zog die Regierung den Gesetzesentwurf zurück. Der Retter des Wienerwaldes Joseph Schöffel wurde Ehrenbürger von 102 Wienerwaldgemeinden und Bürgermeister von Mödling. 

 



1913 beklagte Dr. Fried­rich König im ersten erschienen Heft der 'Blätter für Naturkunde und Naturschutz in Niederösterreich', dass, wenn er sich seiner Jugendzeit erinnert, das Vorhandene 'gerade noch im Bestand erkennbar ist, wo früher Massen verschiedenster Pflanzenarten vorhan­den waren, Sammler die Spezialitäten und die Menschenmenge des Sonntags auch die in Mengen vorhandenen, bunteren Mitglieder der heimischen Naturgesellschaft ausrotteten'. Im gleichen Artikel wird auch schon die Forde­rung nach Schaffung von 'Reservaten' gestellt, die bedrohten Tieren, Pflanzen und Land­schaftsteilen nachhaltigen Schutz und Erhal­tung gewährleisten sollten. Er vertrat bereits damals die Ansicht, dass dafür aber auch eine 'besondere Bewachung und Kontrolle' not­wendig wäre und empfahl ein 'pfadfinderähn­liches Naturschutzkorps zu organisieren'.

 

 Dr. A. Ginzberger führt in seinem, im Heft 2 der erwähnten Publikation erschienen Artikel aus: 'Einen wirk­lichen Wert hat aller Naturschutz nur dann, wenn er auf unbegrenzte Zeit garantiert ist' und stellt eindeutig die Forderung nach einem Naturschutzgesetz, denn 'niemand dürfte mehr bestimmte darin aufzuzählende Eingrif­fe in die Natur vornehmen, ohne die Natur­schutzbehörde davon vorher in Kenntnis zu setzen und ihr Gelegenheit zum Einspruch zu geben. Allen Behörden müsste der Grundgedan­ke des Naturschutzes selbstverständlich wer­den, sodass sie bei allen ihren Verfügungen an die Natur als an etwas denken, das ebenso zu berücksichtigen ist, wie die Interessen der Menschen'.

Ein Niederösterreichisches Naturschutzgesetz ist allerdings erst 1924 (LGBI. 130 vom 18.9.1924) erlassen worden. Das erste Natur­schutzgebiet Österreichs, die 'Weikendorfer Remise' (im Volksmund auch 'Siebenbrunner Heide' genannt) wurde mit Landtagsbeschluss vom 8.6.1927 begründet.  Der Gedanke, Natur nicht nur auf dem Pa­pier, sondern auch aktiv zu beschützen gedieh.

 


 

Für die Ausübung des Dienstes wurden vorn Naturschutzbund Richtlinien herausgegeben, die Naturwachtmitglieder wurden mit einem Dienstabzeichen 'Niederösterreichische Na­turwacht' und einer Armbinde kenntlich ge­macht. Waren es bei der Gründung lediglich erst 12 Gerechte, griff die Idee sehr schnell um sich 1965 zählte die Gruppe 'Rax‑Schneeberg' bereits 19 Mitglieder und in bereits bestehenden anderen Gruppen gab es weitere 80 Mitglieder. So ging es mit der Na­turwacht im ganzen Land bergauf.

Nichts ist so schön, dass es nicht doch auch Unzufriedene gibt ‑ 1964 gründete sich neben der bestehenden 'Naturwacht', eine 'Natur­- und Bergwacht', der aber keine lange Lebens­dauer beschie-den war. Anders lief es mit der 'Niederösterreichischen Bergwacht', die sich 1970 etablierte, in Bezirksgruppen ge­gliedert war und welche jeweils als eigener Verein bei der zuständigen Bezirkshauptmann­schaft angemeldet war. Sie hatte, durch ent­sprechende Publikationen, bald ebenso großen Zulauf wie die Naturwacht, die 1970 bereits 300 Mitglieder zählte.

 
Franz Hauer